Interview Leichtstoffmöhre

Bandname: Leuchtstoffmöhre

Mitglieder (Instrumentenzuordnung): 
Anne Tönsmann (Vocals), Tommy Wagener (Gitarre), Valentin Springsklee (Gitarre), Hajo Bitter (Baritonsax), Richard Hertel (Tenorsax), Pascale Feiertag (Altsax), Matthias Vogelgesang (E-Bass), Max Bechler (Schlagzeug).

Durchschnittsalter: ~ 28
Gründungsjahr:
2012
Ort/Herkunft: Karlsruhe
Internetadresse: leuchtstoffmoehre.de, facebook.com/leuchtstoffmoehre

Datum des Interviews: 12.2.2018


Wie würdet ihr eure Musikrichtung als Ska-Band näher charakterisieren?

Ska dominiert der Tanzbarkeit halber, das ganze hat aber mittlerweile einen Punk- und Rock-Einschlag ohne dabei typischer Nullachtfuffzehn Ska-Punk zu sein. Da wo es passt gibt es aber auch mal Funk- und Disco-Elemente. Neben den rhythmischen Aspekten versuchen wir uns gegenüber klassischen Skabands auch durch komplexere Harmoniefolgen und Songstrukturen abzugrenzen.

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

Eine gute Frage auf die es nur schlechte Antworten geben kann ;-) Lange hielt sich die Auffassung in der Band, das Wort Ska müsse dringend in den Namen eingebaut werden (ähem …) und es wär ja lustig das noch mit einem Gemüse zu verbinden (Skarotten, Skadieschen, Skartoffeln …). Aber so richtig lustig war das dann doch nicht. Ein Blick nach oben in Richtung Proberaumdecke brachte uns dann aber die endgültige Erleuchtung.

Welchen Song sollte man sich anhören, um eure Musik am besten kennenzulernen?

“Böller” ist ein typisches Möhrenlied: es ist schön schnell, verbindet Ska und Rock und irgendwie haben wir es auch noch geschafft ein Gitarrensolo einzubauen. Und natürlich gibt es einen deutschen Text dazu. Da gibt es aus unserer Sicht leider gerade im deutschsprachigen Raum viel zu wenig Mut zur eigenen Sprache.

Hat euch eine Ska-Band /Ska-Persönlichkeit am meisten beeinflußt?

Die Bandmitglieder haben alle einen sehr unterschiedlich musikalischen Hintergrund (so ziemlich alles von Jazz, Ska, Punk und Hardcore) von daher kann man das schwer verallgemeinern. Aber von der Intensität her könnte man einen Touch Specials und vom Sound eine Prise Toasters in den Raum werfen. Aber eigentlich kann man noch eine Menge anderer Ska- und Ska-naher Bands nennen wie Madness, Rancid, Busters, New York Ska Jazz Ensemble …

Welches ist euer Lieblingssong/ -CD?

Das Debüt von den Specials ist natürlich ein richtiger Klassiker und das “Don’t Let The Bastards Grind You Down”-Album von den Toasters einfach fett produziert.

Welche Musikrichtung, neben dem SKA, hat euch am meisten geprägt?

Uns persönlich alles von Funk, Rock, Jazz, Soul, Latin, Hip Hop, Punk, Reggae, Hardcore. Für den  Bandsound eindeutig Funk, Punk und Rock.

Gibt es eine Botschaft, die ihr mit eurer Musik vermitteln wollt?

Auf jeden Fall Spaß haben und Abtanzen bis es nicht mehr geht. Inhaltlich wird es schon schwieriger da das Spektrum unserer Texte von unsinnigen Blödeleien hin zur Auseinandersetzung mit Nationalismus und Deutschtümelei reicht. Das Gros sind aber trotzdem Themen die uns in irgendeiner Form beschäftigen. Falls die Texte irgendwen zum Besseren bekehren umso besser.

Hat SKA für euch auch eine politische Bedeutung?

In erster Linie nicht, in zweiter schon. Wenn man sich mit einer Band auf die Bühne stellt und öffentlich vor einem Publikum in verständlicher Sprache singt, dann ist man politisch, dann hat man Einfluss. Egal was man dann sagt, es wird irgendwie einen Eindruck bei den Leuten hinterlassen. Ob der korrekt ist oder nicht, sei dann mal dahingestellt.

Die Fragen zu den Konzerten:


Ein paar Fragen zu euren Konzerten: Was waren eure besten und schlimmsten Konzertorte?

Der beste Konzertort ist wahrscheinlich das CAJ Molodoi in Straßburg. Die Elsässer haben ein gänzlich anderes Verhältnis zu Ska, Reggae und Punk als wir das normalerweise in Süddeutschland erfahren. Naja, und auf dem Winterfest der Hochschule (!) für Musik (!!) war entweder zu viel Schnaps im Glühwein oder die Musik gut genug, der Saal voller klassischer Musikstudenten war jedenfalls nicht zu halten.

Richtig “schlimme” Konzertorte hatten wir jetzt per se nicht, schwierig ist es halt wenn man vor kleinem Publikum spielen muss, weil der Veranstalter sich verschätzt oder die Veranstaltung schlecht beworben hat.

Auf SKA-Konzerten findet man ja wirklich die unterschiedlichsten Typen. Wie würdet ihr euer Publikum charakterisieren?

Sehr, sehr gemischt von jungen Studenten in deren Umfeld wir auch angefangen haben bis hin zu älteren Semestern was dann tatsächlich erstaunt. Auf jeden Fall ist der Großteil aber sehr tanzwütig.

Was spielt ihr als Zugabe (welchen Song)?

Von der EP keinen ansonsten „Nein, ich muss hier raus“ was man sich auch auf Bandcamp anhören kann. Daneben kommt natürlich auch ein Bella Ciao Ska-Cover immer gut an.

Gibt es ein verrücktes Erlebnis auf einer Tour, welches erzählenswert ist?

Verrückt ist eigentlich nur auf wie viele verschieden Arten man aufgehalten werden kann. Normalerweise läuft das Auto ganz gut, aber kurz vor Gigs muss man es auch mal anschieben, um es an zu bekommen oder auch mal den Auspuff von der Kreuzung auflesen.

 

Mit welcher Band würdet ihr am liebsten zusammen auftreten?

 

Ganz klar The Specials oder The Toasters oder mit beiden zusammen.

 

 

Fragen zur Ska-Geschichte:


Vielleicht noch ein wenig zum Thema Ska-Geschichte?: Es wird häufig von 1-3 Ska-Welle gesprochen. Inwieweit könnt ihr euch damit identifizieren? Was kommt nach der 3. Ska-Welle? Wie seht ihr die Zukunft des SKA?

Wir kennen und nutzen natürlich vieles was man der einen oder anderen Welle zuschreiben kann. Allerdings versuchen wir nicht den hundersten Aufguss sondern probieren gerne Neues aus, um den Ska im Rahmen der Möglichkeiten weiterzuentwickeln. Da wir ja nicht die einzigen sind die das so angehen, schätze ich mal wird es nie eine vierte Welle geben, da die Grenzen bereits zu diffus geworden sind. Was ja auch nicht schlecht ist.

Wie kommt es, eurer Meinung nach, dass sich die meisten jungen Bands entweder in Richtung traditional Ska oder Ska-Punk entwickeln?

Tut es das? Wir haben eher das Gefühl, dass die große Ska-Punk-Welle vorbei ist. Falls doch, Punk macht den der Pubertät Entsprungenen eben mehr Laune. Kommt zu den simplen Songs noch eine Trompete dazu ist die Laube auch schon fertig :-)

Warum hat es der Ska so schwer, sich zu etablieren? Ist Ska zum ewigen Schlummerdasein verdammt?

Die Frage ist ja auch, ob es sich etablieren muss. Natürlich gab es Zeiten in denen reine Ska-Songs ein größeres Publikum hatten, man muss aber auch sehen, dass viele Ska-Elemente in “modernen” Produktionen beständig Einzug halten. Von daher kann man schon sagen, dass er irgendwie auch angekommen ist. Nicht in voller Pracht aber irgendwie schon.

Schließlich was Allgemeines:


Letztlich noch ein paar allgemeine Fragen: Welche Band / Ska-CD würdet ihr den Surfern/Ska-People besonders ans Herz legen wollen? (Mal abgesehen von euren eigenen ;-)

Die Pantasonics sind super angenehme Zeitgenossen mit einer echt tollen Genremischung und einem fetten Sound. Unbedingt reinhören.

Wen würdet ihr als den "Godfather of Ska" bezeichnen?

Alle schreien natürlich Laurel Aitken, ich sag aber Desmond Dekker :-)

Welche SKA-Webseite würdet ihr den Surfern im Netz besonders empfehlen? Welche Favoriten habt ihr?

derdude-goes-ska.de natürlich :-)

Was steht an nächsten Projekten/ Konzerten an? Wird es eine neue CD geben? Wann kommt sie raus und was wird auf uns zukommen?

Dieses Interview entsteht ja quasi parallel zur Erscheinung unserer CD, daher sind die nächsten Projekte: spielen, spielen, spielen.

Sagt doch was ihr wollt :-)

Vielen Dank lieber Dude für die unermüdliche, jahrelange Arbeit den Ska dahin zu bringen, wo er hingehört.