SKA im PARK FESTIVAL in Boizenburg am (13.) und 14. Juli 2018

Quelle: https://www.facebook.com/SKAIMPARK

Nach dem für mich absolut brillanten Ska-Festival in Berlin im tiefsten Winter wollte ich nun auf jeden Fall auch im Sommer noch ein wenig Outdoor-Ska- Festivalluft schnuppern.

 

Rosslau oder Mainz waren zeitlich leider nicht drin, aber in gar nicht großer Ferne, unweit von Hamburg in einem relativ neuen aber durchaus schönem Bundesland namens Mecklenburg Vorpommern fand ein kleines DIY-Festival in einer 10.000 Einwohnerstadt mit dem einladendem Namen BOI!zenburg statt.

 

Dieses gab es vor einem Jahrzehnt öfters und nun sollte es aus Ruinen auferstehen und das hörte sich doch sehr gut an. Auf nach Boizenburg also, da keiner den ich kenne hinkonnte oder wollte, eben alleine, wie Lucky Luke.

In Hamburg beim Umsteigen kombinierte ich ob der Kleidung, Perücken und des Alkoholpegels diverser Reisender, dass wohl heute der Schlagermove in der Hansestadt auf dem Programm stand. Das weckte doch gleich mal Erinnerungen ans Loikaemie-Konzert in Hamburg zeitgleich mit dem Schlagermove im Jahre 2001 oder -2, an eine denkwürdige Zug-Rückfahrt nach Kiel und eine nicht minder unterhaltsame Gerichtsverhandlung in Elmshorn. Nachzulesen im Rinne Pann 1 oder 2, wer es genau wissen möchte.

 

Eingetroffen am Boizenburger Bahnhof traf ich auf eine osteuropäische Großfamilie und zwei Rentner aus Ludwigslust. Letztere pikierten sich gerade darüber, dass der nächste Bus ins Stadtinnere (der Bahnhof liegt 2,5 KM auswärts) erst wieder in 4 Stunden fahren sollte. Eigentlich Fußmärschen nicht abgeneigt schlug ich den Ruheständlern vor, ein Taxi in die Stadt zu teilen, um Kräfte für den Abend zu sparen.

 

In der sehr schönen und ziemlich menschenleeren Innenstadt stellte ich fest, dass mein Hotel erst ab 15 Uhr besetzt ist. Wenn man gegen die neoliberale Allzeitverfügbar-Welt ist, muss man da auch durch, wenn mal jemand nicht mitmacht, dessen Dienste man gerne um 13.50 Uhr in Anspruch nehmen würde. Glücklicherweise fand ich eine exzellente öffentliche Toilette und einen Penny Markt.

 

Nach einer Ruhepause im Hotel konnte es dann losgehen, bis dato hatte außer einem Plakat im Schaukasten der Stadt gleich neben einer Einladung zu irgendeiner Veranstaltung mit Polizisten und Senioren, nichts auf das Festival hingedeutet.

 

Gegen 18.30 Uhr dachte ich, würde es anders sein. Doch die Straßen waren weiterhin ziemlich leer, neben zwei dunklen Gesellen, von denen einer eine Thor Steiner Jacke trug, begegnete ich kaum Menschen auf meinem Weg Richtung Hafen. Auch süße jamaikanisch-inspirierte Klänge, denen ich blind gefolgt wäre, konnte ich nicht vernehmen.

Merkwürdig, damit hatte ich nicht gerechnet, zumal das Festival auch am gestrigen Freitag schon lief und am heutigen Samstag eigentlich schon Rahmenprogramm seit 14 Uhr im Gange war.

Mark Foggo Quelle: https://www.facebook.com/SKAIMPARK

Ich war drauf und dran über mein hippes Smartphone ein sofortiges Rückfahrticket in die ehemalige BBZ zu buchen als meine müden Augen drei Typen mit Skateboard und NOFX-Shirts erblickten. Einen ganzen Storch mit Sauce würde ich verspeisen, wenn die nicht zum Festival wollten. Als norddeutscher Sozialphobiker sprach ich sie natürlich nicht an, folgte ihnen aber unauffällig. Ich hatte den richtigen Riecher und kam genau pünktlich zu den ersten Klängen von DAS KARTELL. Auch wegen dieser Lübecker/Schweriner Band war ich gerne angereist, war es doch die allererste Ska-Band, die ich je live gesehen hatte, gar nicht mal so lang her, 1997 oder '98 auf dem Lübecker Stadtfest. Auch damals hatte ich mich mit der Doitschen Bahn auf den Weg gemacht, angefixt von Mr. Review im ARD Krimi. Wie hieß der noch? Mit den Faschos und dem Gastaufritt der Holländer? Jedenfalls für mich love at first sight und immer wieder die VHS-Kassette zurückgespult um die ca 45 Sekunden „Prejudice“ zu hören. Eine noch größere musikalische Liebe als Punk & Oi war plötzlich da, goil.

 

Ja also, bevor ich zu stark abschweife: Back to Boizenburg. Das Kartell hatte in den letzten 20 Jahren wohl Besetzungswechsel hinter sich, klang in meinen Ohren aber nach wie vor sehr gut. Mitträllern konnte ich leider nicht, da ich mich NOCH nicht im Besitz eines Tonträgers befinde, aber mitwippen war schon mal drin. Das Festival an sich war kleiner als ich dachte und die Band stand in einer ehemaligen Scheune auf der Bühne. Die Besucher machten einen sympathischen Eindruck und der Großteil schien auch durchaus zu wissen, welche Musikrichtung hier im Mittelpunkt stand. Das Kartell gefiel mir echt gut, Dritte Welle Ska mit deutschen Texten, den man sich problemlos geben kann. Ne neue Platte soll es auch geben, hörte ich. Da werde ich doch mal schauen, ob noch Platz in den vollen Regalen ist. Ich hör ja am liebsten CDs, das ist wirklich cool underground, da ist man verhasst bei der hippen Vintage-Vinylfraktion („Wo ist denn da das Knistern bei so einem Blechteil??“ (erschrocker Aufschrei)) und der MP3 Fraktion (Was ist eine CD?? *stumpf guck*). Nobody likes CDs, I don't care.

 

Das Kartell spielte auch länger als die angesetzten 60 Minuten, glaube ich. Mir war es recht. Danach wurde das Festival, das obendrein KEINEN EINTRITT kostete, finanziell am Bier- und Fressstand unterstützt. Und dann war es so weit: MARK FOGGO and The Skasters! Der Mr. Bean des Ska! Er war leibhaftig da! War auch schon über eine Dekade her, dass ich diesen Sympathen live gesehen und gehört hatte. Ein bisschen quadratischer war er seit damals geworden, aber an Energie und Spaß an der Musik hatte er definitiv nichts eingebüßt. Das zeigte sich sowohl an den Hits wie „Fat Girl“, "Haircut“ oder „Ska#d for life“. Es zeigte sich aber auch am Umgang mit technischen Pannen. Viermal musste sein Set wegen technical difficulties abgebrochen werden. Großteils zu Beginn seines Auftritts, zweimal bei „Weirdos“. Foggo nahm dies aber genauso mit Gelassenheit und Humor wie das Publikum und das natürlich auch völlig zu Recht. Mmaximum respect an die „Ska im Park“-Crew für dieses großartige DIY-Festival in einer Kleinstadt. Big Up, echt eine starke Leistung und ein Top-Festival. Foggos Auftritt später dann auch ohne Unterbrechungen, auch länger als geplant und absolut dufte, Skanken war das Motto der Stunde. Statt wie geplant um 10, ging der Meister erst um halb Zwölf von der Bühne.

 

Sofort fanden sich eine die Dame und der Herr von den COURETTES zum Soundcheck ein und gegen 12 legten sie mit ihrem Garage-Sound los. Sehr gut aber nicht ganz meine Welt, so dass ich mich nach ein paar Songs auf den Heimweg machte, um den Schlaf der Gerechten zu schlafen.

 

Am nächsten Tag ging es dann nach einem Frühstück auch zu Fuß zurück zum Bahnhof. Liebe “Ska im Park-Crew” - do it again, tolles Festival!

Autor: Hajo D. Pann

Freedom Sounds 2018 (Köln, Gebäude 9)

Wie jedes Jahr wurde auch ein Augenmerk auf Menschen mit körperlichen Einschränkungen und jungen Ska-People gelegt (siehe Foto – nein, junge Leute gucken nicht immer nur auf ihr Handy ;-)). Und gerade die gingen richtig ab - gelebte Vielfalt und effektive Nachwuchsförderung! 

 

Neben perfekter Sound- und Lichtabmischung gab es die zahlreichen Aussteller und Leute an den Essensständen, die auch für das leibliche Wohl gesorgt haben. Nicht verheimlichen möchte ich meinen Favoriten, John Sims, der nun mal, zumindest bildlich (u.a. Madness-, The Selecter-, The Specials- und Fun Boy Three-Cover der 2-Tone Endsiebziger), meine Jugend stark geprägt hat und die Ska-Szene mit schwarz-weissen Dancern und Karos seit über 40 Jahren beglückt. 

Zum nächtlichen Schluss war alles ausverkauft: Die Karten, die T-Shirts, das Buffet, die Aufkleber, die Festivalhefte, Autogrammstifte und 2-Tone-Bierdeckel und auch ein wenig unser Power, den wir sehr gerne zwei Tage eingesetzt haben. Bis zum nächsten Jahr, liebe Ska-People. Dann wohl in neuer Location, aber sicherlich nicht weniger genial, wenn sich wieder die feine, kleine Skagemeinde trifft! Keep on skankin‘, Ska-People!