Reviews 2017

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Mellow Mark, Nomade

 

Danse Macabre / Digitale Dissidenz / MLO, 21.7.2017

 

Mellow Mark veröffentlicht mit „Nomade“ sein mittlerweile achtes Album und scheint sich im Reggae wieder sehr wohl zu fühlen. Nach einigen musikalischen Ausflügen und dem bewussten Stilmix – sowohl im Tonstudio als auch live – wirkt seine Musik nun wieder etwas geradliniger. Bereits seit dem Vorgänger-Album „Roots & Flügel“ (2015) und der Zusammenarbeit mit der österreichischen Band House of Riddim ist deutlich geworden, dass der Reggae wieder im Vordergrund steht.

 

Der „Nomade“ versteht es nach wie vor, die deutsche Sprache zum Rollen zu bringen, Reime gekonnt zu verschachteln und Wortspiele pointiert einzusetzen. Vielseitigkeit scheint noch immer ein wichtiger Bestandteil seines Schaffens zu sein. Mit House of Riddim hat er dafür die perfekte Wahl getroffen! Die Arrangements überzeugen auf der ganzen Linie und wurden spielerisch auf höchstem Niveau umgesetzt. Für den amtlichen Sound saß Ganjaman an den Reglern, bekannt für hochwertigste und detailverliebte Produktionen! Und natürlich gibt es auch noch einige großartige Gäste, die Mellow Mark auf seiner Reise unterstützen, u.a. Uwe Banton und Jamaram. Der Weg scheint auf jeden Fall der richtige zu sein! Andi Rüttger 

 

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Bar Stool Preachers

Blatant Propaganda

Destiny Records, CD/LP 06/2017

 

 

Die Kombination aus südenglischem Kult-Brighton, vier markanten Musikern und Offbeat-Ska verweist darauf, dass es sich kaum um voluminöse, bläserbetonte Instrumentals handelt. Nee, nee, es wird fröhlich gemischt zwischen 2-Tone, Punkrock und etwas Reggae sowie Dub. Nicht ver-spielt, sondern gut und ehrlich ge-spielt. Nun befinden wir uns schon näher an den „Barhocker-Predigern“. Im englischen Original natürlich schicker „Bar Stool Preachers“. In den 13 Songs schwingt zwar immer auch der Offbeat mit, jedoch gibt es eine klare Punkrockansage. Song zwei „Bar Stool Preacher“ oder drei „Looking Lost“ erinnern da noch am meisten an die 2-Tone-Zeit der Endsiebziger rund um The Specials, The Selecter und etwas Madness. Aber eben mit einem schnellen, herberen Touch The Clash. Letzteres liegt definitiv an der schön krassen Stimme des Sängers Tom McFaull. Die krasse Propaganda („Blatant Propaganda“, so der CD-Titel) ist das Debütalbum, welches nach ihrer ersten Single „One Fool Down“ jüngst erschien. Die Propaganda spielt sich zwischen ernsten Themen, wie sozialer Gerechtigkeit und Politik, aber eben auch einer Portion Fun und Optimismus ab. Bei der in 2014 gegründeten Band zeichnen sich deutlich mehr Gröhl-Punkrocktöne ab, als klassische Offbeat. Punkrock-2-Tone mit krasser Clash-Stimme trifft es am ehesten. Der nicht selten geschriebene Satz, dass hier live eine Menge Power zu erwarten ist, gilt sicherlich auch hier. Anhören.

DerDUDE

 

Tracklist:
1 Trickledown | 2 Bar Stool Preacher 
| 3 Looking Lost feat. Vic Ruggerio | 4 Clock Out, Tools Down | 5 My Own Worst Enemy | 6 Start New | 7 Good News | 8 Keeping Busy | 9 Battleworn | 10 Friend Or Foe | 11 Sleep No More | 12 One Fool Down | 13 Ballad (of the M1)

 

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Johnny Reggae Rub Foundation

No Bam Bam, Pork Pie, LP 6/2017

 

 

Es ist eine große Freude und wirkliche Ehre zugleich, das Debütalbum hören und rezensieren zu dürfen. So darf ich mich zu den lokalen Dudes zählen, die auch das kleinste Konzert in den Kölner Eckkneipen ebenso miterlebt hat, wie die großen Sessions zum Beispiel auf dem Freedom Sounds Festival. Sie haben sich ihren Erfolg regelrecht erarbeitet bzw. erspielt!

 

Die drei absolut sympathischen Musiker stehen mit ganzer Kraft und Lust hinter ihrer Musik, die sie „Urban Ska & Dirty Reggae“ nennen. Ohne einen Höhenflug oder Starallüren zu bekommen, und diese könnten sie durchaus haben, veröffentlichen sie ihr Debütalbum „No Bam Bam“ ausschließlich als LP, mit der sie alle Erwartungen übertroffen haben. Die Kritiker der Szene überschlagen sich förmlich mit großen Komplimenten und Superlativen. Dem kann ich mich nur anschließen. Zu Recht verweist Pork Pie auf die Einmaligkeit, denn lediglich drei Musiker schaffen etwas, was wenigen gelingt. Ska-„Tradition und Moderne“ konsequent und harmonisch zu verbinden. „Kleine Besetzung mit großer Schlagkraft”. Das trifft es. Denn nicht nur die Aufnahme überzeugt, sondern die Vintage-Orgel, zwei Stimmen und ein fetter Bass tun ihr Übriges. Neben Chrissy Reggae (Orgel, Gesang) und Johnny Reggae (Rhythmus, Gesang) ist auch der Dritte im Bunde zu nennen, Rolo Teng, der in der Reggaeszene verwurzelt ist und den fünfseitigen, prägenden Bass zupft.

 

Die 12 Songs im Gewand von “Urban Ska” und “Dirty Reggae” spiegeln die Einflüsse des Ska, Early Reggae und Rocksteady. Ausflüge in den Punk und Soul, wie sie schon in früheren Veröffentlichungen zu hören waren („Punk“ EP, 2015), sind auch hier inklusive. Dass Victor Rice beim Sound mitgemischt hat, ist ein weiteres Faszinosum, was dem Projekt quasi das Krönchen aufsetzt. Das professionelle Video zur LP überzeugt ebenso wie die ungebrochene Lust, auf zahlreichen großen und kleinen Konzerten live einzuheizen. Hut ab. DerDUDE

 

Zum Video

 

Trackliste:

Seite A: 1 Mission Is Completed | 2 No Bam Bam | 3 Reggae Bitch | 4 Money Is The Devil | 5 I Can Tell You | 6 Org*smic

Seite B: 7 Baby | 8 Goddamn Right | 9 What About Me | 10 Who Are You | 11 Soulfood | 12 Org*smic Dub​

 

https://www.puertohurracosisters.de/ Quelle: www.puertohurracosisters.de/

Puerto Hurraco Sisters, „Goin‘ Out“, Rookie Records, LP, CD, 06/2017

 

Was sich zunächst anhört, wie eine spanische Girlband, ist etwas komplett anderes. Puerto Hurraco Sisters sind eine deutsche Produktion aus sieben klasse Musikern, die zur Hälfte aus den früheren, Wiesbadener Frau Doktor bestehen und sich Ska-Jazz auf die Fahnen geschrieben haben. Beim Bandnamen muss man wohl etwas ausholen. „Puerto Hurraco Sisters“ ist zugleich auch ein Instrumentalstück aus dem Album „Penner Superdisco“ aus 2002, den der Trompeter Thies Möller komponierte und dabei eigentlich an eine verruchte Bar mit selbigen Namen im Stadtteil „El Poblenou“ in Barcelona dachte, die sich nicht mal den mittleren Buchstaben „A“ von Bar leisten konnte ;-). Der Name der Location erinnert an ein Massaker in der spanischen Stadt Puerto Hurraco, wo 1990 zwei 12 und 14 jährige Schwestern ums Leben kamen. In dieser Bar waren „Frau Doktor“ auf ihrer Spanientour in 2001. Ein übler, kleiner und berüchtigter Schuppen, der maximal 50 Personen fasste. Immerhin traten sie vor 20 Muchachos auf, die wohl nicht zu den klassischen Rude Boys zählten. Man erzählt, dass die Band recht unnüchtern und um gröbere Verluste zu vermeiden, mit einer Polonaise die Location zu früher Stunde verlassen hat.

http://passafiretheband.com/ Bar Puerto Hurraco Sisters in Barcelona, Quelle: passafiretheband.com/

Zur Scheibe: Auf der ersten CD, die am 30.06.2017 erscheint, befinden sich acht Stücke, wovon vier gecovert sind. Die Reise geht von Ska-Jazz über Reggae-Jazz bis hin zu Rocksteady und Calypso. „Goin‘ Out“, so der Albumtitel, kommt entsprechend groovig daher, überwiegend instrumental, bläserbetont. So etwas erinnert an die „Ska-Jazz-Ensembles“, die in den verschiedenen Kontinenten produziert werden. Musikalisch ist alles auf den Punkt, sauber und professionell. „Stücke von Art Blakey, Lee Morgan, Oliver Nelson, aber auch Stevie Wonder werden hier zu Ska-, Reggae- oder Rocksteady-Nummern […]“ uminterpretiert. Um sie live zu erleben, muss man schon in den Südwesten der Republik reisen. Im Sommer 2017 sind sie rund um die Städte Frankfurt, Wiesbaden und Karlsruhe unterwegs. Läuft! DerDUDE

 

Titelliste

1 SWEET HONEY BEE | 2 GOODBYE LOUISVILLE LIP | 3 CRÈME FRAICHE | 4 EL LUCIO | 5 LUPIN THE THIRD | 6 MIDNIGHT VOYAGE (JOEY CALDERAZZO) | 7 WHEN THE MORNING COMES | 8 MY CHERIE AMOUR (STEVIE WONDER)

http://passafiretheband.com/ Quelle: passafiretheband.com/

Passafire, "Longshot", Easy Star Records, Soulfire artists, CD, Vinyl, Mai 2017

 

Manchmal fordert der gute Christoph von Soulfire artists einen eingefleischten Ska-Mann auch mal heraus. So mit diesem neuen, sechsten Album von Passafire mit dem Titel „Lonshot“, das nun definitiv nicht in die Ska-Geschichte eingehen wird ;-) Nicht weil es schlecht ist, es ist halt kein Ska – in Teilen Reggae, wie in Song sechs „Rapunzel“. Ende Mai 2017 erschien die Veröffentlichung mit insgesamt 12 Songs. Das was dieses Album von manch europäischen Scheiben unterscheidet ist, dass die Stile Reggae, Rock und Hip Hop (Letzteres eigentlich nur in Song sieben „Blow“) separat in den Songs ihren Platz finden und nicht mit brachialer Gewalt des Stilmixes in den Songs verbraten werden, wie es manche Bands hierzulande fabrizieren. Nach dem Motto ‚alles ist drin‘. Von daher ein ehrliches Album der vier US-Amerikaner, die eher auf Solidität statt auf Kracher setzen. Es wirkt, in den meisten Songs, eher etwas gediegener, gefühlsbetonter und nachdenklicher, was auch zu den tiefsinnigeren Texten passt. Hier wird nicht gepogt oder geskankt, sondern primär gegroovt. Herausforderungen sind da, um sie zu meistern, danke Chris. DerDUDE

 

Trackliste:

1 Growing Up | 2 Longshot | 3 Drifter | 4 Bright | 5 Find My Way | 6 Rapunzel | 7 Blow (feat. Mr. Lif) | 8 Fireside |
9 One Blink | 10 Tacoma | 11 Gone Yesterday | 12 Hard to Find

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Gentleman’s Dub Club, Dubtopia

Easy Star Records, CD 2017

 

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Gentleman’s Dub Club veröffentlichen ihr drittes Studioalbum „Dubtopia“ und beweisen auf beeindruckende Art und Weise, wie hervorragend sich natürliche und elektronische Elemente miteinander verbinden lassen: Echte Bläser treffen auf sphärische Synthesizer, mehrstimmige Gesangsharmonien schweben über technoiden Steppers-Dub und abgrundtiefe digitale Basslines rollen auf live gespielten Drums. Diese Mischung aus analoger Wärme und menschlicher Lebendigkeit auf der einen Seite und der digitalen Wucht sowie technischen Präzision auf der anderen macht Gentleman’s Dub Club zu einer herausragenden Band, die live wie auf Platte zu hundert Prozent überzeugt.

 

Stilistisch bewegen sich die Songs zwischen positiven leicht eingängigen Reggae-Tunes und treibenden, sehr deepen und kraftvollen Dub-Brettern. An Delay- und Halleffekten mangelt es den exzellenten Produktionen ohnehin nie, wie der Name der neunköpfigen Combo aus England bereits vermuten lässt. „Dubtopia“ ist ein weiteres Meisterwerk von Gentleman’s Dub Club und fügt sich bestens in die Reihe ihrer Vorgängeralben ein.

Andi Rüttger 

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Jamaram

Freedom Of Screech

Soulfire artists / Turban Records, CD 03/2017

 

 

„bunte Vielfalt und Lebensfreude“, so steht es im Pressetext und trifft es in der Tat recht gut. „Freedom Of Screech“ heißt das neue, siebte Album, der sehr umtriebigen Münchener, die bereits mehr als 2000 Shows gespielt haben. Respekt! Genau auf diesen zahlreichen Konzerten entstehen oft neue Stücke, die auch in dieser CD verarbeitet und präsentiert werden. In 16 Stücken führt die musikalische Reise durch die einzelnen Genres, wobei der Ska und Reggae erfreulicherweise auch wirklich durchgängig gespielt wird und nicht in Form von offbeatspielenden Bläsern, Bässen oder Synthys vermutet werden müssen, die sich kaum gegen heftige und lautstarke Gitarrenriffs durchsetzen, wie es bei manch anderer Band mit großer Stilvielfalt ist. Insgesamt haben wir es wieder mit dieser Totschlägerbeschreibung zu tun: Reggae, Ska, Dub, HipHop, R’n’B, Rock, Rocksteady und Latin. Sprachliche und gesangliche Vielfalt gibt es wie immer in Englisch und Spanisch. Ich finde die acht Jungs haben wieder eine tolle und spannende Scheibe herausgebracht, die in der Tat vor lauter Variation nur so strotzt. Dem einen gefällt es, dem anderen könnte es etwas zu viel Durcheinander sein. Profis sind die Musiker allemal, die letztendlich ein geschmeidiges und rundes Album präsentieren, indem die einzelnen Songs stimmig sind. DerDUDE

 

Trackliste:

1 Back In A Day | 2 Worlds Apart | 3 Why Trouble feat. Concious Fiyah | 4 Off My Lawn | 5 Test It | 6 Spread Some Love feat. Concious Fiyah | 7 Nice (Umberto Echo Remix) | 8 Easy Life | 9 Honey Bee feat. Ami | 10

Like A Rock | 11 We Got The Groove | 12 Never Ever feat. Tariro neGitare | 13 Pa Mi Gente feat. Don Caramelo | 14 Fine Fine Fine feat. Passafire | 15 Girlfriend | 16 Cross The Line (AnalogBassCamp Mix) feat. Mellow Mark

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Eskalation

360°, Uncle M Music / Cargo Records, CD 03/2017

 

Mit dem dritten Album stechen die fünf Jungs, zwei Mädels und ein „Trompeten-Affe“ aus Nürnberg erneut in See.

Das die frühere Sängerin Anna über Bord ging, tut mir immer noch etwas leid. Auf zu neuen Ufern und nach vorne geschaut. – Ähm, oder doch „360°“? Denn so lautet der Titel des neuen Albums, welches mit einem Mix aus Punkrock, Ska, Indie und Dub (Letzteres in „Tanz deine Revolution“) durchs musikalische Meer schippert. Zwar haben die The Busters ebenfalls ein Album mit exakt dem gleichen Namen 2011 herausgebracht, aber das soll lediglich mit einem kleinen Augenzwinkern kommentiert sein.

 

Es ist dann doch eine andere Generation, um die es auch oft inhaltlich geht. Deutsche Texte umhüllt von Bläserpunkrock, die durchaus sozialkritisch sind und auch die eigene Generation nicht aus der selbstkritischen Verantwortung nehmen. Das jetzt, wie es im Pressetext formuliert ist, etwas ganz Neues, ganz Eigenes entsteht, halte ich für etwas übertrieben. Aber die zehn Songs plus Instrumental sind absolut hörenswert und klingen richtig fett.

 

Das Ruder [sic] muss ja auch nicht immer wieder neu erfunden werden, wenn es einen doch vorwärts und in die richtige Richtung manövriert. Es wird viel experimentiert und die Stilvielfalt ausgereizt, so auch beim Song „Degeneration“ aus der Single von 2016. Solange auf der Galeere alle im gleichen Takt schlagen, geht das gut. Insgesamt ist es eine feine Produktion mit vielen Tempo- und Stilwechseln, die zudem witzigerweise ein Booklet-Poster bereithält. Auf künftige Konzerte macht die Scheibe auf jeden Fall wieder Bock. DerDUDE

 

Trackliste:

1 Nicht Mehr Meine Band | 2 Kleinstadt | 3 Bau Dir Deine Wahrheitheit | 4 Degeneration | 5 Im Rausch | 6 Keine Zeit | 7 Görlitz | 8 Wandler | 9 Tanz Deine Revolution | 10 Deine Geschichte | 11 Instrumental

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Pantasonics, Rayos Y Centellas, Eigenproduktion, CD 2017 (VÖ 17.3.2017)

 

Eines Tages ging es los, dass sich plötzlich keiner mehr in eine Schublade stecken lassen wollte und die Musikstile zu zungenbrecherischen Deskriptionen wurden, die alles zuließen. Das mag ja auch manchmal ganz spannend und vielfältig sein, aber oft wirkt das eben auch etwas verloren. Was ist eigentlich an musikalischen Schubladen so schlimm?

 

Ok, mit den sechsköpfigen Pantasonics aus Stuttgart kommt genauso eine pluralistische Klangwelt auf uns zu. Balkan, Punk, Reggae, Latin-Ska, Rocksteady, Dub, Swing, Funk und Disco. So, das habt ihr jetzt davon – das „Klangkarussell“ steht bereit. Die akustische Bestäubung reicht von lateinamerikanischem Reggae bis hin zum orientalischen Punkrock. Sprachgewaltig geht es von Spanisch über Hebräisch bis hin zum englischen Gesang. Neben den klassischen Instrumenten tauchen auch das prägende Akkordeon, die hämmernde Hammondorgel sowie die scheppernde Trompete auf. Während knapp 70 Minuten kann man sich in den dreizehn Stücken durch das weitreichende, musikalische Facettentum treiben lassen; Durch die multikulturellen Interpretationen aus mehreren Kontinenten und Kulturen. Soundtechnisch handelt es sich bei diesem Studioalbum um eine saubere Sache, woran auch Martin Zobel beteiligt ist.

 

So, nun war die, im Pressetext schon befürchtete, Genre-Polizei da. Und nein, wir haben keinen verhaftet ;-). Wer Spaß an unterschiedlichsten Musikstilen und auch Experimenten besitzt ist hier genau richtig. Von leise-nachdenklich bis schrill-laut ist alles vorhanden oder abgearbeitet. Gegen einen „Genremix“ ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber manchmal wünscht man sich auch eine reife, selbstbewusste Positionierung zu ein paar wenigen Stilen. DerDUDE

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Arthur Kay & The Clerks

The Night I Come Home

Grover Records, CD (und Vinyl mit limitierter 200er Auflage) 12/2016

 

 

Was hier so recht geschmeidig herüber kommt ist musikgeschichtlich umso bedeutungsschwangerer. Wahrscheinlich haben sich die Kölner The Clerks 2001, ihrem Gründungsjahr, nicht vorgestellt, einmal mit Arthur Kay auf der Bühne zu stehen, geschweige denn ein Studioalbum aufzunehmen. Woher auch, denn der umtriebige Mod aus der Londoner Musikszene der 60er Jahre ließ längere Zeit nichts mehr von sich hören – zumindest was den Ska anging. Mal abgesehen vom Projekt „Arthur Kay & The Originals“ (1978). Dabei ist das Namedropping beachtlich, wenn man das Mitwirken bei Größen wie Dr. John, Judge Dread (bis 1998), Desmond Dekker oder Rico Rodriguez liest. Zwischen 1980 und 1982 fiel er als Bassist bei der OI!-Band The Last Resort auf, die sich u.a. wegen häufigen Schlägereien auf den Konzerten wieder auflöste.

 

Unter seinem bürgerlichen Namen Arthur Kitchener wirkt er als Songwriter und Dichter weiter und trat als Solokünstler auf Ska- und Folkfestivals auf. Zwischen 2004 und 2013 wurden vier Alben veröffentlicht, die jedoch eher aus dem Genre Folk, World oder auch (Punk-)Rock stammen. Immer wieder ist die schwierige Kindheit im Süden Londons Thema seiner Werke. Aktuell spielt er in einer Rock’n’Roll Band namens The Lords of Lonesome. Ein ganz schön wildes und ereignisreiches Musiker- und Künstlerleben.

 

Reanimiert durch das Freedom Sounds Festival 2016 entstand nun „The Night I Come Home“ mit einer der besten deutschen Skabands in ihrer Sparte. Neben vielen neuen Songs von Kay, die teils autobiografische Züge besitzen, steuern auch die The Clerks, respektive Sänger Gero, zwei eigene Stücke bei. Hier kommen zwölf Songs, die einen in 42 Minuten durch eine kleine Zeitreise zwischen Ska, Rocksteady und Reggae führen. Insbesondere für Kay ist es ein besonderer Rückblick auf 50 Jahre Showgeschäft. Vielleicht auch deswegen klingt das ein oder andere Lied etwas nachdenklicher, leiser; aber immer professionell und schwungvoll begleitet von der professionellen Bläser- und Rhythmussektion. Das Gefühl für den Rhythmus – den Offbeat, die feine Instrumentalisierung der Kompositionen ohne Dominanz und ein Gespür für das musikalisch Ganze. Das zeichnet The Clerks aus. In diesem Sinne treten mit Arthur Kay und The Clerks mehrere faszinierende Elemente aufeinander. Spannend. DerDUDE

 

Tracklist:

1 The Last Of The One Named Singers | 2 The Night I Came Home | 3 (I Was) Born To Cry | 4 Wideboys And Cowboys | 5 Reggae’n’Ska | 6 Sunlight Of The Spirit | 7 The Count Of Clerkenwell | 8 It's the Hatton Garden Job | 9 The Last Of The Summer Ska | 10 Don't Give A Dam | 11 Trying To Make A Living | 12 Mardi Gras On A Saturday Night

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Spawn, Dance Of The Lunatics, Eigenproduktion, CD Oktober 2016

 

Diesmal geht die Reise in die Niederlande, genauer gesagt nach Aalten, nahe Bocholt. Seit 2001 existiert die Band bereits, wobei sie zunächst ein Punktrio waren und entsprechend das Genre bedienten. Erst nachdem die Bläser Einzug hielten (Trompete 2002 und Saxofon 2004) segelte die später siebenköpfige Band gen Ska. Ska-Punk besser gesagt.

 

Das erste Album mit dem Titel „Spantaneos“ folgte 2005. Drei Jahre später entert die Scheibe „Hsdroplos“ die Musikwelt. Nur böse Zungen würden behaupten, dass es an diesem grünen Zeug liegt, dass erst acht Jahre später die neuen, musikalischen Segel gehisst werden. Dance Of The Lunatics“ sticht im Oktober 2016 in See. Die Mucke aus Ska und Punk hört sich dann gar nicht so nach Lethargie an. Das fetzt schon ganz schön, wenn die fetten Bläser Gas geben und die etwas schrille, punkige Stimme dazu auf Englisch singt. Die jahrelange Erfahrung hört man hier ganz deutlich heraus. Immerhin haben sie über 200 Konzerte gespielt.

 

Wer guten Ska-Punk in seinen unterschiedlichen Varianten mag und auch mal ein deftiges Gitarrensolo übersteht, wird hier sehr gut bedient. Elf Songs für fünf Euro ist auch mehr als OK – wahlweise Spotify. Bei der Nähe zu Münster und Westdeutschland wundert es etwas, dass sie noch nicht hier gespielt haben. Das kann sich ja noch ändern. Reinhören und Spaß haben. DerDUDE

 

Trackliste:

1 Back On Track | 2 Respawnsibilities | 3 Condemn The Pessimists | 4 Joy Forever | 5 Redemption | 6 Skarantino | 7 Strange Contradiction | 8 Monosyllabic | 9 Stench Of Misfortune| 10 Lunatics | 11 Voodoo