Reviews 2017

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Pantasonics, Rayos Y Centellas, Eigenproduktion, CD 2017 (VÖ 17.3.2017)

 

Eines Tages ging es los, dass sich plötzlich keiner mehr in eine Schublade stecken lassen wollte und die Musikstile zu zungenbrecherischen Deskriptionen wurden, die alles zuließen. Das mag ja auch manchmal ganz spannend und vielfältig sein, aber oft wirkt das eben auch etwas verloren. Was ist eigentlich an musikalischen Schubladen so schlimm?

 

Ok, mit den sechsköpfigen Pantasonics aus Stuttgart kommt genauso eine pluralistische Klangwelt auf uns zu. Balkan, Punk, Reggae, Latin-Ska, Rocksteady, Dub, Swing, Funk und Disco. So, das habt ihr jetzt davon – das „Klangkarussell“ steht bereit. Die akustische Bestäubung reicht von lateinamerikanischem Reggae bis hin zum orientalischen Punkrock. Sprachgewaltig geht es von Spanisch über Hebräisch bis hin zum englischen Gesang. Neben den klassischen Instrumenten tauchen auch das prägende Akkordeon, die hämmernde Hammondorgel sowie die scheppernde Trompete auf. Während knapp 70 Minuten kann man sich in den dreizehn Stücken durch das weitreichende, musikalische Facettentum treiben lassen; Durch die multikulturellen Interpretationen aus mehreren Kontinenten und Kulturen. Soundtechnisch handelt es sich bei diesem Studioalbum um eine saubere Sache, woran auch Martin Zobel beteiligt ist.

 

So, nun war die, im Pressetext schon befürchtete, Genre-Polizei da. Und nein, wir haben keinen verhaftet ;-). Wer Spaß an unterschiedlichsten Musikstilen und auch Experimenten besitzt ist hier genau richtig. Von leise-nachdenklich bis schrill-laut ist alles vorhanden oder abgearbeitet. Gegen einen „Genremix“ ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber manchmal wünscht man sich auch eine reife, selbstbewusste Positionierung zu ein paar wenigen Stilen. DerDUDE

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Arthur Kay & The Clerks

The Night I Come Home

Grover Records, CD (und Vinyl mit limitierter 200er Auflage) 12/2016

 

 

Was hier so recht geschmeidig herüber kommt ist musikgeschichtlich umso bedeutungsschwangerer. Wahrscheinlich haben sich die Kölner The Clerks 2001, ihrem Gründungsjahr, nicht vorgestellt, einmal mit Arthur Kay auf der Bühne zu stehen, geschweige denn ein Studioalbum aufzunehmen. Woher auch, denn der umtriebige Mod aus der Londoner Musikszene der 60er Jahre ließ längere Zeit nichts mehr von sich hören – zumindest was den Ska anging. Mal abgesehen vom Projekt „Arthur Kay & The Originals“ (1978). Dabei ist das Namedropping beachtlich, wenn man das Mitwirken bei Größen wie Dr. John, Judge Dread (bis 1998), Desmond Dekker oder Rico Rodriguez liest. Zwischen 1980 und 1982 fiel er als Bassist bei der OI!-Band The Last Resort auf, die sich u.a. wegen häufigen Schlägereien auf den Konzerten wieder auflöste.

 

Unter seinem bürgerlichen Namen Arthur Kitchener wirkt er als Songwriter und Dichter weiter und trat als Solokünstler auf Ska- und Folkfestivals auf. Zwischen 2004 und 2013 wurden vier Alben veröffentlicht, die jedoch eher aus dem Genre Folk, World oder auch (Punk-)Rock stammen. Immer wieder ist die schwierige Kindheit im Süden Londons Thema seiner Werke. Aktuell spielt er in einer Rock’n’Roll Band namens The Lords of Lonesome. Ein ganz schön wildes und ereignisreiches Musiker- und Künstlerleben.

 

Reanimiert durch das Freedom Sounds Festival 2016 entstand nun „The Night I Come Home“ mit einer der besten deutschen Skabands in ihrer Sparte. Neben vielen neuen Songs von Kay, die teils autobiografische Züge besitzen, steuern auch die The Clerks, respektive Sänger Gero, zwei eigene Stücke bei. Hier kommen zwölf Songs, die einen in 42 Minuten durch eine kleine Zeitreise zwischen Ska, Rocksteady und Reggae führen. Insbesondere für Kay ist es ein besonderer Rückblick auf 50 Jahre Showgeschäft. Vielleicht auch deswegen klingt das ein oder andere Lied etwas nachdenklicher, leiser; aber immer professionell und schwungvoll begleitet von der professionellen Bläser- und Rhythmussektion. Das Gefühl für den Rhythmus – den Offbeat, die feine Instrumentalisierung der Kompositionen ohne Dominanz und ein Gespür für das musikalisch Ganze. Das zeichnet The Clerks aus. In diesem Sinne treten mit Arthur Kay und The Clerks mehrere faszinierende Elemente aufeinander. Spannend. DerDUDE

 

Tracklist:

1 The Last Of The One Named Singers | 2 The Night I Came Home | 3 (I Was) Born To Cry | 4 Wideboys And Cowboys | 5 Reggae’n’Ska | 6 Sunlight Of The Spirit | 7 The Count Of Clerkenwell | 8 It's the Hatton Garden Job | 9 The Last Of The Summer Ska | 10 Don't Give A Dam | 11 Trying To Make A Living | 12 Mardi Gras On A Saturday Night

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Spawn, Dance Of The Lunatics, Eigenproduktion, CD Oktober 2016

 

Diesmal geht die Reise in die Niederlande, genauer gesagt nach Aalten, nahe Bocholt. Seit 2001 existiert die Band bereits, wobei sie zunächst ein Punktrio waren und entsprechend das Genre bedienten. Erst nachdem die Bläser Einzug hielten (Trompete 2002 und Saxofon 2004) segelte die später siebenköpfige Band gen Ska. Ska-Punk besser gesagt.

 

Das erste Album mit dem Titel „Spantaneos“ folgte 2005. Drei Jahre später entert die Scheibe „Hsdroplos“ die Musikwelt. Nur böse Zungen würden behaupten, dass es an diesem grünen Zeug liegt, dass erst acht Jahre später die neuen, musikalischen Segel gehisst werden. Dance Of The Lunatics“ sticht im Oktober 2016 in See. Die Mucke aus Ska und Punk hört sich dann gar nicht so nach Lethargie an. Das fetzt schon ganz schön, wenn die fetten Bläser Gas geben und die etwas schrille, punkige Stimme dazu auf Englisch singt. Die jahrelange Erfahrung hört man hier ganz deutlich heraus. Immerhin haben sie über 200 Konzerte gespielt.

 

Wer guten Ska-Punk in seinen unterschiedlichen Varianten mag und auch mal ein deftiges Gitarrensolo übersteht, wird hier sehr gut bedient. Elf Songs für fünf Euro ist auch mehr als OK – wahlweise Spotify. Bei der Nähe zu Münster und Westdeutschland wundert es etwas, dass sie noch nicht hier gespielt haben. Das kann sich ja noch ändern. Reinhören und Spaß haben. DerDUDE

 

Trackliste:

1 Back On Track | 2 Respawnsibilities | 3 Condemn The Pessimists | 4 Joy Forever | 5 Redemption | 6 Skarantino | 7 Strange Contradiction | 8 Monosyllabic | 9 Stench Of Misfortune| 10 Lunatics | 11 Voodoo