Reviews 2018

Talco - And The Winner Isn't (CD 2018) Talco - And The Winner Isn't (CD 2018)

Talco

“And The Winner Isn’t”

Long Beach Records Europe, CD 2018

 

Vielleicht liegt es an meinem gehobeneren Alter, aber manchmal finde ich im diffusen Zeitalter, wo alles immer und überall geht, eine gewisse Konstanz ganz nett. Und dafür stehen Talco aus Marghera, Venedig. Ihnen scheint die Luft nie auszugehen, die sozialkritischen Themen schon gar nicht. Auch auf der neuen, siebten Scheibe „And The Winner Isn’t“, die am 23. Februar 2018 erscheint, geht es wie gewohnt laut, unaufhaltsam und kompromisslos in die nächste musikalische Ska-Punk-Runde. Combat Ska halt, so der eigens bezeichnete Musikstil.

 

Nach „Silent Town“ (2015) ein erneutes Lebenszeichen der sechsköpfigen, italienischen Band, die bereits seit 2001 die Musikwelt und Politik durch- und aufwühlt. Nein Filigranität ist nicht angesagt. Wie könnte auch eine Musik leise und sanft melodisch klingen, wenn die Texte Gewalt, Ungerechtigkeit und Korruption thematisieren und anklagen? Da muss es einfach auch raus – ein akustisches Ventil. Es gibt fetten Ska-Punk-Rock mit überwiegend italienischen Texten auf die Ohren, deren Ehrlichkeit manch italienischem Politiker nicht gefallen dürfte. Schmetternd, auch durch die Trompeten unterstützt, wird die Wahrheit aus vollem Hals und mit gewaltiger Stimme von Dema, dem Sänger, in die Welt „posaunt“. Der chorale Gesang macht die voluminösen Kompositionen perfekt. In satten 13 Songs geht es mächtig rund, was nichts für sanfte Ohren ist.  Auf der kleinen Deutschlandtour 2018 kann man sich auch live von der stetigen Qualität überzeugen lassen. Definitiv auch zertifiziert und empfohlen für ältere Semester. DerDUDE

Zum Interview aus 2016 (engl.) 

Review "Silent Town" (2015)

Review "10 Years - Live in Iruna" (2014)

Review "Gran Galà" (2012)

 

1 Al Parto Sfigurato Della Superiorita | 2 Onda Immobile | 3 Senor Hood | 4 Bomaye | 5 Reclame | 6 Lunga La Macabra Stanza | 7 And The Winner Isn't |  8 La Verita | 9 Intervallo | 10 Domingo Road | 11 Avatar | 12 Matematica Idea | 13 Silent Avenue (Nella Strada II)

 

The Tips - Come Closer (EP 2018) The Tips - Come Closer (EP 2018)

The Tips, “Come Closer”, Long Beach Records Europe, EP 2018

 

The Tips gehörten für mich schon 2016 
zu meinen persönlichen Top-
Neuentdeckungen. Die Scheibe 
„Twists’n’Turns“ hat mich schwer
beeindruckt. Als ich die drei aufgedrehten 
Düsseldorfer auch noch live im Kölner 
Underground erlebt habe, war die 
musikalische Liebe besiegelt. Das Gefühl 
hätte allerdings auch schon früher 
eintreten können, denn es war bereits 
ihre dritte Scheibe. 

Dann der Schock im April 2017, den ein erfolgreiches, aufstrebendes und 
junges Rock-Reggae-Trio nun gar nicht gebrauchen kann. Gründungsmitglied, 
Sänger und Hammergitarrist Aljoscha „Ali“ Thaleikis verabschiedet sich 
schweren Herzens aus der Band. Und nun? Die prägende Stimme und akustisch,
visuelle Einheit von Sänger und Gitarre war sicherlich auch ein Markenzeichen. 
Für ein „Kopf in den Sand stecken“ sind Philip (Bass) und Janosch (Drums) 
einfach zu sehr leidenschaftliche Musiker. Gefunden haben sie Stefan, der seine
Sache richtig gut macht. Es ist natürlich etwas anders, aber auch er hat sein 
musikalisches Herz an der richtigen Stelle und feuert seine ganze Stimmgewalt 
in das Mikro. Ein deutliches (Lebens-)Zeichen setzt die neue Konstellation mit 
der aktuellen EP „Come Closer“ mit fünf Songs, die am 3. Februar 2018 
erscheint. 

Der spritzige Mix aus Rock, Reggae, Ska, Punk und Soul gelingt auch bei den
Auferstandenen. Sehr deftig fängt es mit dem Song „My Days“ an, wo sich 
rockige, fast metalmäßige Elemente tatsächlich ein Stelldichein mit dem Offbeat
geben. Sehr fett, energiereich, voluminös, krachend. Melodiöser und ruhiger 
geht es in Song zwei „Go“ weiter. Etwas nachdenklich und deutlich 
reggaelastiger. Nix mit Ausruhen in Titel drei „Come Closer“, der von 
Ska-Punk-Sounds geprägt ist. Ska-P lässt schön grüßen. Tanztechnisch 
bedeutet das dann einen schnellen Wechsel zwischen Skanken und Pogen, 
das gefällt (mir). Eventuell doch eine erste Ansage, wo der Weg hingeht, so ist
es doch zugleich der Titel der EP. Song vier „Wait & Buy“ geht wieder etwas 
mehr experimentell, aber voller Energie zwischen Rock und Dub nach Vorne. 

Insgesamt ist diese EP vielleicht auch ein wenig ein Experiment, wo es in 
Zukunft hingehen soll. Sie machen ihre Erfahrungen mit dem sehr breiten 
Spektrum umzugehen, um ihren Weg mit dem neuen Sänger zu finden. Toll, 
dass sie wieder spielen. Auf das nächste Konzert und weitere 
Veröffentlichungen kann man sich auf jeden Fall freuen, auf das viele neue 
musikalische Lieben entstehen mögen – Love & Peace. DerDUDE

Zum Review: Twists’n’Turns, Long Beach Records CD – 02/2016